Buschka entdeckt Deutschland

Episode 2 – Teil 9

Filed under: (Offenbach) — 12. Oktober 2006 @ 21:16

snapshot20061012211044.jpgIch spreche mit Migranten über die Stimmen ihrer deutschen Mitbewohner, die Integration fände nicht ausreichend statt. In einem türkischen Gemüseladen reden wir über pc Allgemeinplätze, nennen aber auch die Dinge beim Namen. Kommunikation, die auf gleicher Augenhöhe bei Themen wie Job anfängt, aber dann auch nochmal zum leidigen Konfliktthema Religion kommt, bei dem sich “die Geister scheiden”.

3 Kommentare

  1. Chilly-the-Hit:

    Ja, das war mal gut den “Ladenbesitzer” zu hören, ich kenn es nur von meinem eigenem umfeld: Integration als Thema wird auch nicht angesprochen, ich möchte das nicht so sagen, aber sie werden einfach azeptiert, aber unterbewuss. Ich sage jetzt also nicht, der kommt aus Russland, den muss ich jetzt akzeptieren, es passiert einfach. Ich frage dann zwar immer noch wie lange sie in Deutschland leben und bin speziel bei denen, die aus Russland kommen, überrascht wie schnell sie sich “an passen” und auch deutsch lernen. Bei Leuten die aus der Türkei kommen muss ich dann allerdings feststellen das sie wirklich lieber unter sich sind und auch speziell ihre kontakte lieber mit Ihresgleichen knüpfen. Ich habe probleme mich mit Ihnen anzufreunden, weil sie es nicht wirklich wollen, allerdings gibt es natürlich auch ausnahmen. Einige fassen eben schneller Vertrauen, andere nicht. Ich stell mir immer die Frage wie ich mich verhalten würde, in einem anderen land, ich würde glaube ich auch lieber mit Leuten zu sammen sein die ich verstehe. Aber ich wäre auch offen für die neue Kultur und hätte auch interessie diese näher kennen zu lernen, esskultur ect.

    so, punkt ;)

    Gruß Chilly

  2. joerg:

    Lieber Chilly, es ist in Sachen Integration sicherlich von beiden \”Seiten\” viel falsch gemacht worden in Deutschland. Genaugenommen gibt es ja auch nochmal einen großen Unterschied zwischen dem Verhalten der Behörden und dem der Bürger (auf deutscher \”Seite\”). Ich persönlich lehne jede Art von \”Ghettobildung\” ab, ob von Deutschen in Brasilien, Türken oder in Rußland geprägten deutschen Spätaussiedlern hier etc. Wenn das ganze dann -z.B. durch \”Importbräute\”- auch noch ganz bewußt nicht mit Deutschen in Berührung kommen bzw. \”durchmischt\” werden soll, finde ich das unerhört ignorant und zutiefst ablehnend gegenüber unserer Wertemodelle und Errungenschaften hier. In Episode 4 wird eine türkische Gruppe zu Wort kommen, die sich mit solchen \”Kollegen\” in einen Topf geworfen fühlt, und sich vor der Kamera ganz deutlich von ihnen abgrenzt. Und: in den allermeisten Fällen geht es gar nicht wirklich um Religion. Wie bei den meisten eher \”lockeren\” Christen in Deutschland sind die meisten hier lebenden Muslime keine Orthodoxen, die sich wirklich an jede Koran-Sure halten etc. Das soll jetzt aber nicht heißen, daß eine bewußt gelebte Religion bzw. ein überzeugter Glaube m.Meinung nach nicht zu respektieren sei… Nur machen es sich alle \”Seiten\” über die Abgrenzung Religion viel zu einfach. Es geht nicht um Religion, sondern um kulturelle Unterschiede, und darum, daß man sich nicht mal eben nebenbei -so wie es als easygoing \”multi-kulti\” immer kommuniziert wurde- fast schon von alleine annähern kann, sondern das ist ein bewußter (aber auch selbst-bewußter) Prozeß, bei dem aber trotzdem Niemand seine Identität verleugnen oder gar komplett ablegen muß. Der Diskurs auf diesem Gebiet ist ein elementar notwendiger Gesellschaftsprozeß, und ich finde, da hilft wirklich nur das offene Ansprechen von Mißständen, aber auch ein selbstbewußtes demokratisches Verteidigen unserer über Jahrhunderte schwer errungenen freiheitlichen Grundwerte! Da kann es auch nicht angehen, daß wegen einiger weniger Fundamentalisten plötzlich die Mädchen nicht mehr am gemeinsamen Schwimmunterricht teilnehmen etc. Aber diese Diskussion wird schon ohne BUSCHKA ENTDECKT DEUTSCHLAND auf höchster Flamme gekocht. Ich möchte mich -auch als Mitglied der Bundesinitiative Integration und Fernsehen- durch meine journalistische Arbeit u.a. dafür einsetzen, daß die Migranten in unserem Land einen wirklichen Platz finden, und den dann aber auch einnehmen und ausfüllen! Wir sollten uns gegenseitig bereichern und uns nicht \”am Arsch vorbeigehen\”. Da wir aber z.T. nicht mal die Nachbarn im eigenen Haus kennen, ist das Ganze natürlich auch noch ein gesamtgesellschaftliches Problem, das noch nichtmal in jedem Fall was mit ethnischen Unterschieden zu tun haben muß, sondern mit menschlicher Gleichgültigkeit. Woher die kommt? Immer nimmt Irgendwer an irgendeiner Stelle seine Verantwortung nicht wahr, und das zieht eben Kreise. Das sprengt jetzt hier fett den Rahmen, und außerdem bin ich ja nicht der \”Sozialpädagoge der Nation\”… ;)

  3. sebastian:

    ich finde deine arbeit echt sehr gut.spontan und lebendig.ungeschnitten.dickes kompliment und mache bitte weiter so. nur frage ich mich schon: warum steht da oben reportage? und warum verkaufst Du es als journalismus? die gesellschaftliche leistung des journalismus besteht in der reduktion von information. aus der historischen entwicklung des journalismus erschließt sich, dass die rationalsierung von kommunikation nötig war/ist, um die gesamtgesellschaftliche kommunikation funktional zu halten. genau diese leistung der vermittlung von komm. prozessen macht den journalismus aus. mit allen theoretischen und praktischen problemen, die damit verbunden sind(klar journalisten tragen gleichzeitig bei zur Zunahme der Informationsüberflutung). deine beiträge sind dann doch das gegenteil: nicht zusammenfassend, nicht reduzierend, nicht selektierend.

    interessiert mich echt, wie Du das siehst.

    Gruß

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