Buschka entdeckt Deutschland

FOLKLORE NEUSTART 2015

Filed under: Allgemein — 2. September 2015 @ 16:33

Zum 20. Mal war ich am vergangenen Wochenende auf dem Folklore-Festival in Wiesbaden.
Und die Veranstalter hatten Großes zu bewältigen: nach finanziell desaströsen, weil oft verregneten, Vorjahren und einer abgespeckten Kostenlos-Version 2014 galt es jetzt, neu zu wirtschaften.
Das Gelände rund um den Schlachthof wurde in Fest- zu 8 und Festival-Bereich zu 25 Euro Eintritt eingeteilt, und am Sonntag gab’s das volle Areal für 6 Euro.

Line-Up war super, – für mich vor allem „Element Of Crime“ am Samstag. Aber schon am Freitag wurden die extrem fitten HipHop-Opis von „Fünf Sterne Deluxe“ und der Deutschrapper „Prinz Pi“, der mit der außergewöhnlichen, orchestralen „Herr der Dinge“-CD seines 2006er Albums „!DonnerwetteR“ eine Duftmarke setzen konnte, aufgefahren. Enttäuschend deshalb, daß der erste Festivalabend mit einer gähnenden Leere zu kämpfen hatte. Das Wetter spielte nämlich ebenfalls optimal mit, es war angenehm sommer-kühl. Einfach schade!

Samstag und Sonntag blasteten das Festival’er-Hirn mit Mördersonne, – aber es kamen mehr Feierwillige. Während mir der Samstag noch immer zu dünn besucht schien, war am Sonntag die Hütte wohlig-brechend voll. Das alte alle-zwei-Meter-trifft-man-bekannte-Nasen-Folklore-Gefühl konnte wieder lustig um sich greifen!

Ich hatte am Freitag vor allem viel Freude an “Fünf Sterne Deluxe”, ließ mich aber gern schon am späten Nachmittag vom engelszarten Pop-Liedermaching des ersten Acts „KAJ“ um die Wiesbadener Sängerin Katja Aujesky zum Lausch-Grasen verleiten.

Auf unserer B.e.D.-Facebook-Seite werde ich übrigens alsbaldest eine kleine Foto-Safari veröffentlichen, die ich an den drei Festival-Tagen mit meinem Smartphone unternommen habe.
Am Samstag unterstützte mich mein lieber Kommilitone und gefeierter Fotograf Marcus Michaelis bei „Element Of Crime“ mit seiner ordentlichen, richtig-echten Kamera. Seine Fotos werden auch in meinem FB-Set zu sehen sein.
Zu Sven Regener & Co. muß ich nicht viel sagen, – für mich der grandiose Höhepunkt des Festivals und ein wunderbares Live-Geschenk.
Aber der Abend hielt noch mehr Feyerey bereit: „Les Yeux D’la Tête“ machten mir großen Spaß, und auch die „Antilopen Gang“ verstanden ihr Handwerk. Aber… …auch wenn ich den Refrain „Und Beate Zschäpe hört U2“ samt -Double im Video extrem originell und die Aufarbeitung des NSU-Themas in Popularmedien politisch höchst notwendig finde, stoße ich mich im nächsten Moment wieder am Antilopen-Satz „Deutschland muß sterben, – damit wir leben können!“. Ich konnte auch noch nie was mit schwarz vermummten „Deutschland, halt’s Maul!“-Brüllern anfangen. Das ist wahrscheinlich total gut gemeint, spielt m.E. aber wiederum anderen Extremen plump in die Hände…

An allen Tagen bekam das wichtige Thema Flüchtlinge in Musiker-Ansagen, Performances und Songs ein Forum. Am Sonntag zeigten nach dem Auftritt der Lokal-Matadoren „Whiskydenker“ und dem Kindermusik-Programm der „Mukketierbande“ deshalb auch „Strom & Wasser“, wie Integration ganz greifbar umgesetzt werden kann. Die Band um Aktivist Heinz Ratz, die auch schon durch ihre Refugees-Tour vor einigen Jahren das bloße Labern aufgegeben hatte und direkt zum MACHEN übergegangen war, gab auf Folklore drei ehemaligen afrikanischen Flüchtlingen, einem Dschembe-Trommler, einem Rapper und einer Sängerin, famos Raum in ihren Stücken, abschließend einer iranischen Pianistin.
Zum Schluß kam so etwas wie Kreisch-Alarm auf den Plan. Ein schlaksiger junger Kerl mit frechem Blick stellte sich vor seine Bandkollegen und den großen Schriftzug „AnnenMayKantereit“ vor die tobende Menge und gab eine Art deutschen Tom Waits.
Die zum Bersten männlich-rauh gepreßte Stimme im denkbar krassesten Widerspruch zur Erscheinung des knabenhaften Sympathieträgers. Und egal, wen ich nach dem Auftritt fragte, – es kam knorke an. Ich konnte mich trotzdem nicht für die Stimme begeistern. Mein Problem.

Auf dem gesamten Gelände trieben an allen Tagen auch wieder wandelnde Kleinkünstler ihr amüsantes Unwesen. Schon altbekannt und beliebt: die mobile Kleinst-Disco „Danceparader Superstar“ und die den Schuß nicht gehört habenden französischen Musikantinnen vom „Mademoiselle Orchestra“. Die überdies vielen weiteren Schrägies gibbet dann in den FB-Alben zu bekieken.

Bericht: Jörg Buschka

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